Die Großstädte mit den meisten Autounfällen

Eine aktuelle Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. zeigt, in welchen Städten ab 100.000 Einwohnern es anteilig besonders viele Pkw-Unfälle gibt und wo Autofahrer eher selten Kfz-Haftpflicht- wie auch Kaskoschäden verursachen.

11.10.2021 (verpd) Wie auch in den Jahren zuvor hat unter den deutschen Großstädten ab 100.000 Einwohnern Berlin die schlechteste Schadenbilanz bei den Autounfällen, für die eine Kfz-Haftpflicht-, Voll- und/oder Teilkaskoversicherung Entschädigungs-Leistungen erbracht haben. Insgesamt zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede bei den Regionalklassen-Einstufungen zwischen den Großstädten, wie Detaildaten aus einer aktuellen Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) belegen.

Vor Kurzem hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) die neue Regionalklassen-Statistik für 2021/2022 veröffentlicht. Dazu wird jedes Jahr die Schadenanzahl und -höhe der Kfz-Haftpflicht-, Teil- und Vollkaskoschäden in den 413 regionalen Zulassungsbezirken im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ermittelt. Basis für die Regionalklassen-Einstufung ist ein versicherungs-mathematisch berechneter Indexwert, der die Schadenbilanzen je Region und Schadenart im Vergleich zum Bundesdurchschnitt – das ist der Index 100 – wiedergibt.

Insgesamt gibt es zwölf Regionalklassen der Kfz-Haftpflicht-, 16 Regionalklassen der Teilkasko- und neun der Vollkaskoversicherung. Hat eine Region die gleiche Schadenbilanz wie der gesamte Bundesdurchschnitt, entspricht dies der Regionalklasse sechs in der Haftpflicht-, der Regionalklasse vier in der Voll- und der Typklasse sieben in der Teilkaskoversicherung. Ist die Schadenbilanz in einer Region schlechter als der Bundesdurchschnitt, erfolgt eine Einstufung in einer dem Indexwert entsprechenden höheren, bei einer besseren Schadenbilanz in einer niedrigeren Regionalklasse.

Negativer Spitzenreiter bleibt Berlin in allen Kfz-Schadenbilanzen

Die Regionalklassen werden unter anderem beeinflusst vom Fahrverhalten der Pkw-Fahrer, von der Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge und den örtlichen Straßenverhältnissen. In der Kaskoversicherung werden zudem örtliche Besonderheiten wie etwa Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden oder Anzahl der Wildunfälle berücksichtigt. Ein unabhängiger Treuhänder überprüft jedes Jahr die Schadenverläufe der regionalen Zulassungsbezirke. Daraus erfolgt die Neueinstufung in die Regionalklassen.

Die Regionalklassen sind für die Kfz- Versicherer unverbindlich und können, wenn sie für eine Kfz-Versicherung gelten, ab sofort für Neuverträge und zur nächsten Hauptfälligkeit, meist dem 1. Januar 2022, bei bestehenden Verträgen angewendet werden. Entscheidend bei der Regionalklassen-Einstufung ist, in welchem Zulassungsbezirk der Pkw zugelassen ist. Die schlechteste Schadenbilanz in der Kfz-Haftpflicht-Regionalklassen-Einstufung hat aktuell Berlin (Index 137, Regionalklasse 12), die beste der Zulassungsbezirk Prignitz (Brandenburg) (Index 70, Regionalklasse eins).

In der Vollkasko-Regionalklasse lag Garmisch-Partenkirchen (Index 143, Regionalklasse neun) auf dem letzten Rang. Der beste Zulassungsbezirk mit dem niedrigsten Schadenindex war hier Wesermarsch in Brake (Niedersachsen) (Index 73, Regionalklasse eins). Den höchsten Schadenindex in der Teilkaskoversicherung hatte der bayerische Zulassungsbezirk Ostallgäu (Index 204, Regionalklasse 14), die beste Schadenbilanz entfiel ebenfalls auf eine Region in Bayern, nämlich auf Bamberg (Bayern) mit dem Index 56 (Regionalklasse eins).

… also in der Kfz-Haftpflicht- …

Die aktuelle Regionalklassen-Neueinstufung zeigt aber auch, dass es in den Städten mit über 100.000 Einwohnern extreme Unterschiede bei den Schadenbilanzen gibt. Dabei hat Berlin von allen Großstädten in allen Regionalklassenarten jeweils die höchste Regionalklasse. Wie auch letztes Jahr weist Berlin beispielsweise in der Kfz-Haftpflichtversicherung weiterhin die schlechteste Schadenbilanz auf.

Aktuell liegt der neue Schadenindex in Berlin bei über 137, was auch bundesweit dem Höchstwert entspricht und sogar etwas höher ist als letztes Jahr; damals lag der Index in der Bundeshauptstadt bei 136. Hinter Berlin folgen aktuell die Hansestadt Offenbach (Index 132) sowie Wiesbaden und Kassel (Index jeweils 130). Alle haben wie Berlin die Kfz-Haftpflicht-Regionalklasse zwölf.

Am besten war die Schadenbilanz hingegen in Cottbus (Index 82, Regionalklasse eins), Schwerin (Index 86) und Hansestadt Rostock (Index 87) – beide Letztgenannten sind in Regionalklasse zwei eingestuft.

… in der Vollkasko- …

In der Vollkaskoversicherung wird ebenfalls Berlin mit einem Schadenindex von klar über 138 als einzige der Metropolen mit mehr als 100.000 Einwohner in die höchste Regionalklasse neun eingestuft.

Dahinter folgen Hamburg (Index 119) und Augsburg (Index 118) – beide jeweils in Vollkasko-Regionalklasse sieben.

Den niedrigsten Schadenindex gibt es bei den Vollkaskoschäden in Paderborn (Index 82). Davor befinden sich mit einem Index von jeweils rund 84 Münster (Westfalen), Erlangen und Gütersloh. Alle vier genannten Städte haben damit die Vollkasko-Regionalklasse eins.

… und in der Teilkasko-Regionalklassen-Einstufung

Berlin ist in der Teilkaskoversicherung mit einem Schadenindex von 132 in die Regionalklasse zehn und damit in die höchste von allen Großstädten eingestuft. Dahinter folgen Cottbus (Index 123) und Köln (Index 115) mit jeweils einer Einstufung in die Teilkasko-Regionalklasse neun.

Die beste Schadenbilanz in der Teilkasko weisen den GDV-Daten zufolge die Großstädte Erlangen (Index 57), Münster (Westfalen) (Index 61) sowie Würzburg (Index 64) auf – alle drei sind damit als einzige von allen Großstädten jeweils in der Teilkasko-Regionalklasse eins eingestuft.

Die Einstufungen jedes einzelnen Zulassungsbezirks lassen sich online im GDV-Webportal abfragen. Wie der GDV erläutert, lässt sich über eine Veränderung bei der Regionalklasse keine Aussage über die Entwicklung des gesamten Kfz-Versicherungsbeitrages treffen, da es noch diverse weitere Tarifmerkmale gibt. Diese können sich von Versicherer zu Versicherer zum Teil erheblich unterscheiden.